Ist es wirklich töricht, an die Liebe und Gerechtigkeit Gottes zu glauben? „Gott kann kein Zyniker sein. Deshalb muss es eines Tages eine Umkehr aller Verhältnisse geben…“schreibt Wilmer. Und Papst Leo mahnt uns in Dilexit te, uns nicht an die Logik und Ungerechtigkeit unserer aktuellen Welt zu gewöhnen und die Armen und Ungerecht Behandelten zu vergessen.
Edith Stein hat in ihrem Hauptwerk Ewiges und endliches Sein den Satz von Kant „du kannst, denn du sollst“ aufgegriffen, um zu erläutern, wie sich menschliche Freiheit in Hinblick auf das Gebot der Nächstenliebe sowie der Feindesliebe aus der Sicht ihres Glaubens darstellt. Denn in der Tiefe unserer Seelen können wir über die unmittelbaren Gefühle hinweg und unabhängig von ihnen frei entscheiden und handeln, wenn uns so ein hoher Wert wie der Frieden wirklich am Herzen liegt.
„Der Weg Marias führt hinter Jesus her, und der Weg Jesu führt zu jedem Menschen, insbesondere zu den Armen, den Verletzten, den Sündern. Deshalb macht die authentische marianische Spiritualität in der Kirche die Zärtlichkeit Gottes, ihre Mütterlichkeit gegenwärtig.“ Papst Leo XIV
Werden wir aufmerksam, in diesem Advent, dass sich die Menschen nicht in Gute und Böse, in Täter und Opfer einteilen lassen, ohne die Realität unzulässig zu vereinfachen, wenn wir darüber Gott und Seine Unbegreiflichkeit, Weisheit und Güte vergessen. Lassen wir uns aufwecken aus unserer Alltagsroutine und festgefahrenen Überzeugung, mit unseren eigenen Überzeugung und Urteilen über andere unfehlbar auf der richtigen Seite zustehen.
Quer durch die Geschichte lässt die „Warum"-Frage Menschen nicht los: Warum soviel Leid unschuldiger Kinder? Warum unheilbare Krankheiten? Warum werden Unbeteiligte in Kriege und Konflikte hineingezogen? Warum werden Hunderttausende von Naturkatastrophen heimgesucht, noch dazu oft in Ländern und Regionen, wo ohnehin die Ärmsten der Amen leben?
Wenn Abraham (Gen 18, 23-33) es wagt mit dem Herrn zu reden und Fürbitte für Sodom und Gomorra einlegt, dann denke ich gern an die Beter und Beterinnen unserer Stadt. Kann Gott eine Stadt zerstören, in der Menschen im Vertrauen auf Ihn für das Wohl ihrer Mitmenschen beten?
„Er hat uns geliebt“, sagt Paulus über Christus, um uns erkennen zu lassen, dass uns nichts von dieser Liebe „scheiden kann“. Paulus sagte dies mit Überzeugung, denn Christus selbst hatte seinen Jüngern versichert: „Ich habe euch geliebt“. Er hat uns auch gesagt: „Ich nenne euch Freunde“. Sein offenes Herz kommt uns zuvor und wartet bedingungslos auf uns, ohne Vorleistungen zu erwarten, um uns lieben und uns seine Freundschaft anbieten zu können: Er hat uns zuerst geliebt. Dank Jesus „haben wir die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen“. Papst Franziskus
Noch einmal: Wir brauchen die kleineren oder größeren Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf dem Weg halten. Aber sie reichen nicht aus ohne die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muß. Diese große Hoffnung kann nur Gott sein, der das Ganze umfaßt und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen.
Für Augustinus bedeutete dies ein völlig neues Leben. Er hat seinen Alltag einmal so beschrieben: "Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellern hüten, Ungebildete lehren, Träge wachrütteln, Händelsucher zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Verzagte ermutigen, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Guten Anerkennung zeigen, Böse ertragen und [ach!] alle lieben".