Im Sommer 2015 wurde ein neuer Kunstführer für St. Elisabeth aufgelegt. Es sind daraus auch neue Ansichtskarten gestaltet worden. Erhältlich in der Kirche am Schriftenstand, im Pfarrbüro am Jakobsplatz 7a oder neben der Kirche bei den Paulusschwestern. Kurz gefasst und trotzdem lang: es gibt uns hier schon seit dem 20. Februar 1209.
Am 20. Februar 1209 hatte Kaiser Otto IV. den südöstlich von Nürnberg noch vor der damaligen Stadtmauer gelegenen Königshof mit der Kirche St. Jakob dem Deutschen Orden geschenkt. 21 Jahre später kam durch eine Schenkung Kaiser Friedrichs II. ein bereits 20 Jahre altes Spital hinzu. Es sollte später St. Elisabeth-Spital genannt werden nach der Heiligen Elisabeth, die 1231 starb und 1235 heilig gesprochen wurde.
In diesem größten und bedeutendsten Deutschordenshospital in Deutschland stand die Elisabeth-Kapelle, der Vorgängerbau der heutigen Elisabeth-Kirche. Seit der Erbauung des dritten und letzten Befestigungsrings lag dieser Gebäudekomplex innerhalb der Nürnberger Stadtmauern. Als Teil des Deutschen Ordens war er ein Reichsstand und wie die Stadt selbst direkt dem Kaiser unterstellt.
1525 schloss sich die Reichsstadt Nürnberg der Reformation an. Als die Predigtstelle bei St. Jakob mit Johann Frosch, dem früheren Karmeliterprior von Augsburg und Freund Martin Luthers besetzt wurde, protestierte der Deutschmeister, freilich ohne Erfolg: so fanden in der Folgezeit nur noch gelegentlich katholische Gottesdienste in St. Elisabeth statt.
Nach der Reformation war die Deutschordenskommende die einzige katholische Enklave in der evangelisch-lutherischen Stadt. Die Reichsunmittelbarkeit des Ordens und seine kath. Konfession führten zu häufigen Auseinandersetzungen mit der Stadt. Nur mit Gewalt hätte die kath. Enklave in das Stadtgebiet eingebracht werden können, man fürchtete aber militärische Gegenaktionen des Kaisers. Der Rat der Stadt setzte durch, dass in den Kirchen St. Jakob und St. Elisabeth der Gottesdienst nach der neuen Kirchenordnung gefeiert wurde. Nur für Ordensangehörige wurde weiter die katholische Messe ermöglicht. Erst der Deutschordensmeister und Erzherzog von Österreich Maximilian bestimmte 1601, dass in St. Elisabeth wieder regelmäßig katholische Messen gefeiert wurden.
In den Jahren 1600 und 1601 ist diese Kirche einer gründlichen Erneuerung unterworfen worden. 1674 wurde sie renoviert; es wurden die Fenster vermehrt und ohne Widerspruch Nürnbergs ein St. Marien- und ein St. Thomasaltar errichtet, 1675 eine neue Orgel aufgestellt, 1679 ein weiterer Altar.
Während des Dreißigjährigen Krieges zur Zeit der Besetzung durch die Schweden konnte von 1632 bis 1635 kein katholischer Gottesdienst mehr in der Elisabeth-Kapelle gehalten werden.
1683 stellte der Nürnberger Baumeister Volckamer fest, dass der Dachstuhl der Elisabethkapelle baufällig sei. Da das schlichte gotische Gebäude inzwischen nicht mehr für die zahlreichen Katholiken ausreichte, dachte man an eine Erweiterung durch die anstoßende Spitalstube. Ab 1718 bemühte sich der Orden um einen Neubau. Nach jahrezehntelangem Streit mit der Stadt wurde am 2. Mai 1780 ein Vertrag zwischen dem Orden und der Stadt geschlossen: der Neubau der Elisabethkirche war gesichert.
1784 wurde die alte Elisabeth-Kapelle abgebrochen. Am 19. Mai 1785 erfolgte durch den Deutschherren-Orden die feierliche Grundsteinlegung der Elisabeth-Kirche. Die Pläne für den Bau zeichnete Franz Ignaz Michael Neumann, ein Sohn des bekannten Balthasar Neumann aus Würzburg. Am 29. September starb der Architekt. Sein Nachfolger Peter Anton von Verschaffelt aus Mannheim fertigte für die Grundmauern des Neumannschen Projekts mehrere klassizistische Pläne und baute bis zu seinem Rücktritt 1789. Dann schufen Maurizio Pedetti aus Eichstätt und Joseph Scholl aus Schwarzenberg Pläne für eine billigere Ausführung des Baues. Doch auch diese wurden missbilligt. Ein Jahr später berief man Wilhelm Ferdinand Lipper aus Münster, der die Mauern zum Teil wieder abreißen ließ und in Anlehnung an Verschaffelt nach eigenen Entwürfen bis zum Jahr 1800 weiterbaute. Auch er starb über den Bauarbeiten. Nun führte der Hofkammerrat Stahl aus Mergentheim den nahezu fertiggestellten Rohbau weiter. 1802 wurde Richtfest gefeiert, im folgenden Jahr die Kuppel eingedeckt und mit dem neun Schuh hohen vergoldeten Ordenskreuz bekrönt. 1806 verlor Nürnberg seine Selbständigkeit und kam an Bayern, weil Napoleon den bayerischen Kurfürsten und späteren König für die Gebiete entschädigte, die dieser westlich des Rheins verloren hatte. Die Bauarbeiten wurden infolge der Säkularisation und anschließenden Auflösung des Ordens eingestellt. Der neue Landesherr nahm die Deutschordenskommende in seinen Besitz. Damit hatte der Deutsche Orden in Nürnberg nach 700 Jahren aufgehört zu existieren.
Zunächst wurde der unfertige Bau dem Militär zugewiesen, das ihn abreißen wollte. Das Finanzministerium legte dagegen Protest ein.
In der Folgezeit wurde wiederholt die Fertigstellung der Bauruine als Kirche, Museum oder Bibliothek erwogen. Tatsächlich wurde das Gebäude als Heulager (1840 – 1851), Baumagazin (1851 – 1860) und schließlich als Militärdepot (1860 – 1884) zweckentfremdet.
Im Jahre 1806 hatte sich die politische und konfessionelle Lage grundlegend verändert: erst ein Stadtstaat, war Nürnberg nun zu einer Provinzstadt des Königreiches Bayern geworden; erst ein rein evangelisches Gemeinwesen, war es jetzt in einem paritätischen Staat aufgegangen, in dem Katholiken und Reformierte rechtlich gleichgestellt waren. Nun konnten Katholiken das Bürgerrecht der Stadt Nürnberg erlangen, was 1807 erstmals seit der Reformation geschah.
Im Lauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nürnberg zur größten Industriestadt Bayerns. Die Bevölkerung verzehnfachte sich, von 25.176 Einwohnern im Jahre 1806 auf 261.081 zur Jahrhundertwende. Noch stärker stieg der prozentuale Anteil der Katholiken, von 4,4 % auf 28,27 %, durch Zuwanderung aus den katholischen Gebieten Mittelfrankens, Oberfrankens und der Oberpfalz.
Von 1785 bis 1816 hielten die Katholiken Gottesdienst in der Karthäuserkirche. 1810 wurde ihnen die Kirche Unserer Lieben Frau zugesprochen, im Juli 1816 wurde dort der erste Gottesdienst gefeiert. Erster Pfarrer der Gemeinde war Ulrich Kugel, der vorher als Deutschordenspriester in St. Elisabeth tätig war. Zu seiner Pfarrei gehörte Fürth dazu, bis die dortige Frauenkirche 1829 eingeweiht wurde. Nach einigen Jahrzehnten konnte die Kirche Zu Unserer Lieben Frau die Besucher nicht mehr fassen. 1854 erhielten die Katholiken die Klarakirche. 1858 wurde die Walburgiskapelle auf dem Burggelände den Katholiken überlassen.
Als 1884 das Militärdepot von Nürnberg nach Ingolstadt verlegt wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit wieder auf die Elisabethkirche. Am 27. Januar des folgenden Jahres wurde die Bauruine durch den Bamberger Erzbischof Friedrich von Schreiber für den symbolischen Preis von 5.000 Mark vom bayerischen Staat zurückgekauft und am 1. Juni 1885 der katholischen Kirchenstiftung Nürnberg überlassen. Sie wurde zunächst als Filialkirche der Frauenkirche notdürftig für Gottesdienste hergerichtet. Die erste heilige Messe konnte am 1. November gefeiert werden.
Die Elisabethkirche blieb zunächst Filialkirche der Frauenkriche, bis sich die Kirchenverwaltung 1894 einstimmig für die Einrichtung einer neuen Pfarrei aussprach. Am 25. Oktober 1895 wurde die Pfarrei St. Elisabeth eingerichtet.
In der Kirchenverwaltungssitzung vom 20. März 1899 wurde der Ausbau beschlossen. Beim Ausbau der Kirche erwies sich das Gebälk der Kuppel als nicht tragfähig, es wurde durch eine Eisenkonstruktion ersetzt, was die Baukosten spürbar erhöhte. Im Herbst 1903, als der Bau seiner Vollendung entgegenging, bat der Pfarrer seine Gemeinde um Spenden für die Innenausstattung: Tabernakel, Pietà und Josefsaltar konnten so finanziert werden. Als am 6. Dezember 1903 der erste Gottesdienst in der renovierten Kirche gefeiert wurde, waren die Säulen mit Stuckmarmor ummantelt, die Kreuzigungsgruppe krönte den Hochaltar und die Altäre der Piéta, der Hl. Elisabeth, des Hl. Joseph und des Hl. Thomas schmückten den Kirchenraum.
Ein Höhepunkt in der bislang nur benedizierten Kirche war die Weihe durch Erzbischof Friedrich Philipp von Abert am 25. Juni 1905.
Der junge Ministrant Fritz Pirkl (* 1925) war einer der Jugendlichen von St. Elisabeth. Obwohl sein Vater Beamter der Deutschen Reichsbahn war, trat er auch nach 1933 nicht der Partei bei. Als Ministrant betätigte sich Pirkl nicht nur in der Sakristei, sondern baute ab 1941 oppositionelle Gruppen auf, die über die Kirche hinaus aktiv waren. Im Kellerraum unter der Pfarrei fanden die verbotenen Treffen statt. Dort versteckte man auch das Banner der Katholischen Jugend, das die Gestapo seit 1936 vergeblich suchte. Die Jugendlichen mussten einzeln kommen und gehen, um keinen Verdacht zu erregen. Mit Gitarren begleitete man religiöse Trutzlieder wie „Uns rufet die Stunde, uns dränget die Zeit.“ Neben der Lesung, dem Singen und Beten gab es auch politische Diskussionen, die Alternativen zu dem herrschenden System aufzeigen sollten. Einmal im Jahr wurde die junge Schar unter dem Hochaltar auf das Leitwort „Kämpfer für Christus“ eingeschworen. Ganz unentdeckt blieb man aber nicht, was zu Prügeleien mit HJ-Jugendlichen und Verhaftungen und Verhören einzelner älterer Jugendlicher führte. Auch Fritz Pirkl wurde im Anschluss an eine Fronleichnamsprozession verhaftet und am nächsten Tag nur mit seiner Hose bekleidet entlassen. Heute ist bekannt, dass der damalige Polizeipräsident Dr. Benno Martin manche nationalsozialistische Aktivität abgeblockt hat oder Untersuchungs-ergebnisse dem Regierungspräsidenten nicht vorlegte.
Bei dem ersten größeren Angriff auf Nürnberg am 29. August 1942 explodierte neben der Elisabeth-Kirche eine Luftmine, die die beiden schweren Eingangstore, alle Fenster und einen großen Teil der Kirchenbänke zerstörte. Beim schwersten Luftangriff am 2. Januar 1945 wurde die Altstadt Nürnbergs völlig zerstört. 1794 Menschen starben, über 100.000 wurden obdachlos. An diesem schrecklichen Tag explodierte fast genau in der Mitte der Kirche eine Bombe und richtete im Innenraum schwerste Schäden an. Die äußere Kuppel war noch weitgehend intakt geblieben, aber beim Angriff am 16. März 1945 geriet das Tarnmaterial auf der Kuppel in Brand und zerstörte sie völlig. Zur Abhaltung der Gottesdienste diente nun der bereits ernstlich beschädigte Sakristeiraum. Doch auch dieser wurde bei dem letzten großen Luftangriff am 5. April 1945 völlig zerstört. Beim Endkampf um Nürnberg um den 20. April 1945 schlug in die Empore eine Granate ein und kam unmittelbar neben der Orgel zum Liegen, explodierte aber nicht. Der nahegelegene Palmenhofbunker war die letzte Bastion in der Stadt, die gegen die Amerikaner verteidigt wurde.
Einige Wochen diente der Raum über der Jakobsapotheke als Ort für die Gottesdienste, bis der Raum unter der Empore in der Elisabeth-Kirche hergerichtet war und genutzt werden konnte. Der damalige Pfarrer Drummer setzte seine Kräfte daran, inmitten der Trümmerlandschaft Nürnbergs St. Elisabeth wieder zu einer lebendigen Pfarrei werden zu lassen. Am 23. September 1951 konnte die Kirche wieder eröffnet werden.
Das Zweite Vatikanische Konzil brachte nicht nur Bewegung in die Ökumene, sondern auch in die kath. Gottesdienste. In St. Elisabeth hatte dieses Umdenken zur Folge, dass im Gottesdienst nicht mehr der Hochaltar genutzt wird, sondern ein im Raum vor den Bänken aufgestellter Altar. Die Kirchenrenovierung bot die Möglichkeit, auch hier neue Möglichkeiten zu erproben. So wanderte im Laufe des Jahres 2002 der Altar versuchsweise weiter in den Zentralraum, Schließlich wurde er in weißem Marmor Zentrum unter die Kuppel gestellt und 2003 von Erzbischof Dr. Ludwig Schick geweiht.