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Krypta

In einem Buch über Krypten von Bernardin Schellenberger heißt es in dem Kapitel "Tiefen, die uns tragen": "Es ist heilsam, von Zeit zu Zeit in die Krypten hinunterzusteigen." Denn dies kann ein Symbol dafür sein, dass ich mich auf die eigenen Tiefen, die auch dunklen Tiefen, einlasse. Die Psychologie hat uns Einsichten darin gegeben, daß das helle Haus unseres Bewußtseins auf tiefen Kellern und dunklen Schächten des Un- und Unterbewußten gründet. Von dort drängen Gestalten, Bilder, Träume, Erinnerungen, Ahnungen und Ängste an uns heran.

In die eigenen Tiefen steigen, ist heute vielen wichtig geworden. Menschen fragen und forschen nach dem Geheimnis unter dem festgetretenen Pflaster des Lebens, unterhalb eines oft flachen, seelenlosen Alltags. Vielerlei Methoden, Praktiken, Therapien gibt es dafür. Manchmal werden wir auch wie von selbst in die Tiefe geführt. Krypten können eine Glaubenserfahrung bezeichnen.

"Du Gott bist auch in der dunklen Tiefe bei mir."

Solche Zuversicht wird in den Psalmen gebetet. Ich brauche mich nicht vor den Abgründen in mir zu fürchten. Gott ist mir näher als ich mir selbst sein kann.

Krypten können auch etwas vom Christusgeschehen darstellen. Jesus Christus bekennen wir als den, der in alles Dunkel, in alle Abgründe des Lebens, der Geschichte, der Welt, in das Reich des Todes hinabgestiegen ist. Als Sieger über die Dunkelheiten, über Angst, Schuld und Tod, zeigt sich der Auferstandene. Gott selbst ist gegenwärtig geworden in der abgründigen Tiefe. Der tiefste Grund unseres Lebens ist Licht und nicht Finsternis.

Diese Krypta soll vor allem auch ein Ort der Anbetung sein, der Eucharistischen Anbetung: Der Tabernakel hat deshalb mitten in der aufgebrochenen Wand seinen Platz. Wir feiern Eucharistie, wir preisen Jesu Tod und Auferstehung, sein Hinabsteigen und seine Erhöhung. Wir danken, daß uns im Sakrament seine Gegenwart gezeigt und geschenkt ist, mitten in unserem Leben mit all seinen Dunkelheiten, Ängsten und Nöten.

Der Bildhauer Heinrich Schreiber aus Kronach hat zwei biblische Geschichten in den Stein gehauen.

Oberhalb des Tabernakels: Der Prophet Elija sitzt erschöpft, resigniert, mit dem Wunsch zu sterben, unter dem Ginsterstrauch. Der Engel Gottes bringt Wasser und Brot: Steh auf und iß. Dein Weg ist noch weit! Ich denke, daß Menschen da ein Bild sehen, in dem sie sich wiedererkennen in ihrem Müdsein, Kaputtsein, Erschöpftsein und daß wir alle die Verheißung schauen können: Gott nährt und stärkt uns in der Wüste des Lebens.

Unterhalb des Tabernakels, in den dort gröberen Stein gehauen: Die 5 Brote und 2 Fische der wunderbaren Brotvermehrung; viele Menschen, die ihre Hände ausstrecken nach dem Brot des Lebens, links außen, ein deutlicher gestaltetes Gesicht, für den Bildhauer ist es - und ich nehme die Interpretation gern für mich an - eine geschiedene, wiederverheiratete Frau, die nach Teilnahme an der Kommunion verlangt.

Eucharistie, Brot des Lebens, für alle, die Hunger haben nach Gott, Brot nicht zuletzt für die, die mühsam leben. Der Stein, der das Ewige Licht hält, zeigt den König David mit der Harfe (um die Ecke gemeißelt). Er lädt uns eine zum Lob Gottes, zur Freude an Gott, der mit uns ist und uns Speise gibt auf dem Weg des Lebens hin zu unserem ewigen Ziel.

Wer hier in der Krypta betet, hört immer wieder ein Geräusch, spürt ein Vibrieren, die U-Bahn, die nicht weit von hier unten vorbeifährt; etwas von der Geschäftigkeit der Stadt der Menschen summt um einen herum. Mir scheint, darin liegt eher eine Einladung als eine Störung. Wer hier betet, ist eingeladen, über seine persönlichen Anliegen hinaus die Menschen, die in der Stadt unterwegs sind - wer weiß wie es um sie steht - in sein Gebet mit hineinzunehmen.

Was dieser Raum hier ursprünglich war, ist trotz Nachforschungen nicht klar; wohl einfach ein Kellergewölbe, vielleicht ein Weinkeller der Deutschordensritter, die hier am Platz ihre Kommende hatten. Wenn es jetzt ein Ort des Gebetes, der Anbetung, der Danksagung wird, dann hat es Sinn gehabt, einen Zugang zu diesem Raum zu öffnen.

Ihnen, die Sie diese Krypta besuchen, möge die Gnade zum Beten geschenkt sein.